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Unwissenheit oder Schlagzeile?

Perleberg, den 22.05.2012

Pressemeldung:

 

Ist der Maisanbau tatsächlich ein Problem für den Naturschutz?

Umweltministerin Anita Tack und ihr Abteilungsleiter Axel Steffen bestätigten am 7. Mai dem LBV-Präsidium "Wir haben in Brandenburg kein Maisproblem, weder im Land noch in den Landkreisen, maximal punktuell an einzelnen Naturschutzgebieten“. Es gebe aber auch Naturschutzgebiete, die vom Maisanbau profitieren, so zum Beispiel das Untere Rhinluch, wo der Mais erst Jahr für Jahr die große Anzahl an rastenden Kranichen ermöglicht, „ja diese erst ernährt“, erklärte Steffen. An der öffentlichen Stimmung gegen den angeblichen „überhöhten Maisanbau“ sei nicht das Ministerium schuld, sondern die Medien und all die Anderen, erklärten beide.

 

Auch deshalb ist es für uns unverständlich, wenn sich Frau Prof. Dr. Luthardt, die Vorsitzende des Naturschutzbeirats in Brandenburg in der MOZ, als eine der Anderen, als Panikmacherin outet, die ein Risiko durch Pestizideinsatz (Pflanzenschutzmittel) im Maisanbau beschreit. Nach ihren Worten setze die „Agrarindustrie“ zunehmend Pestizide im Maisanbau ein und dadurch drohe angeblich eine Vergiftung unserer Gewässer für Generationen. Würde das den Tatsachen entsprechen, bestünde dringender Handlungsbedarf. Ganz sicher hätten Frau Tack und der in ihrem Ministerium für den Naturschutz verantwortliche Abteilungsleiter, Axel Steffen, die Gelegenheit genutzt, ein solches Problem in der Präsidiumssitzung des Landesbauernverbandes anzusprechen. Interessanterweise hat Ministerin Tack vor wenigen Tagen aber die immer bessere Qualität unserer Badegewässer gelobt, die jetzt sogar die neuen EU-Normen erfüllt!

 

Die heute eingesetzten Pflanzenschutzmittel sind in Deutschland zugelassen und dieser Zulassung geht ein umfangreiches Prüfverfahren voraus. Diese zugelassenen Mittel werden von den Landwirten sorgsam eingesetzt,  auch weil sie  sehr teuer sind.  Der sachgemäße Einsatz wird entsprechend EU-weit gültigen Rechtsvorschriften (Cross-Compliance) überprüft. Bei Verstößen drohen zu Recht massive Geldstrafen. Auch wissen Fachleute, dass Mais eine sehr robuste Pflanze ist, weshalb hier weniger Pflanzenschutz als bei anderen Kulturen nötig ist.

 

Auch der Schlenker in Richtung Agrarindustrie – wer immer damit auch gemeint sein mag – ist rein populistisch. Dem Boden oder der Maispflanze „ist es egal“ ob das Sprühfahrzeug einem Nebenerwerbsbetrieb, einem Familienbetrieb, einer Agrar GMBH oder Agrargenossenschaft gehört und wie viele Hektar noch zu diesem Betrieb gehören.

 

Moderne Pflanzenschutzmittel bauen sich nach einer gewissen Zeit selbst ab und summieren sich nicht, wie es beispielsweise das im Ökolandbau regulär eingesetzte Kupfersulfat tut. Ein Einfluss auf die Gewässer ist beim vorschriftsmäßigen Einsatz von Pflanzenschutzmitteln nicht gegeben.

 

Eigentlich ist Prof. Luthardt eine Frau vom Fach, die es besser wissen müsste. Beruht der Artikel in der MOZ auf einem Missverständnis, basieren ihre Aussagen auf Unwissenheit oder ist das Ganze eine boshafte Unterstellung um Schlagzeilen zu erhaschen. Die beiden letzten Varianten wären für eine Vorsitzende des Naturschutzbeirates mehr als beschämend. Sollte es sich, wie wir hoffen, um ein Missverständnis handeln, erwarten wir eine Richtigstellung.

 

Holger Brantsch, Pressesprecher