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Presse

Landwirte reagieren auf kritische Berichterstattung über ihre Präsenz auf der Grünen Woche / Regionalmarken sollen stärker werden

 
 

 

maisernte

Foto: Manfred Drössler
Enttäuscht äußern sich Landwirte und Kreisbauernverband nach unserem Beitrag „Wo sind die Landwirte?“ Es entstehe der Eindruck, den Landwirten sei eine Präsenz auf der Grünen Woche nicht wichtig. „Aber das ist falsch“, sagt Christina Stettin, Geschäftsführerin des Kreisbauernverbandes e. V.

Die Grüne Woche sei eine Verbrauchermesse, in der Nahrungs- und Genussmittel eine tragende Rolle spielen. Sie lädt Verbraucher zum Kosten und Schlemmen ein. „Die Präsentation übernehmen Unternehmen mit einer Vermarktungsschiene, gastronomische Einrichtungen sowie landwirtschaftliche Unternehmen mit Direktvermarktung oder Hofladen“, sagen Stettin und der Vereinsvorsitzende Lothar Pawlowski. Und über solche Partner seien diverse Landwirte mit ihren Produkten auf der Messe vertreten gewesen.

„Wir Landwirte sind Primärproduzenten, die Getreide- und Ölmühlen, Molkereien, Schlachthöfe, Zuckerfabriken und Fleischereien mit allem Notwendigen beliefern“, so Pawlowski. Prignitzer Landwirte würden nahezu die maximal regional mögliche Produktpalette anbieten. „Was in der Region vermarktungsfähig erzeugt wird, war auf der Grünen Woche weitestgehend präsent: Knieperkohl, Heidelbeeren, Kartoffeln, Öl, Fleisch und Wurst“, so Pawlowski weiter.

Prignitzer Rinder und Kleintiere waren in der Tierhalle ausgestellt. Mehr Prignitzer Tiere seien durch die Aussteller nicht erwünscht gewesen. Die Tierschauen haben meist ein bundesweit vorgegebenes Thema. Das können beispielsweise bestimmte Rassen sein. Zuchtverbände sprechen dann gezielt Tierhalter an, wählen sich ihre Aussteller aus. Anders sei es bei regionalen Tierschauen wie der Brala oder der Mela in Mecklenburg. „Dort sind unsere Betriebe deutlich stärker vertreten“, erklärt Christina Stettin.

Sie räumt aber ein, dass die Präsenz der Prignitz auf der Grünen Woche ausbaufähig ist. Ziel sei es, die regionalen Marken bekannter zu machen. Produzenten und Veredler noch besser miteinander zu vernetzen. Neudorfer Fleischerei oder Fleischerei Hildebrandt aus Kletzke seien gute Beispiele dafür. „Sie schlachten regionale Tiere, verwerten diese vollständig“, sagt Stettin.

Landwirte seien in der Lage, konstant Schweine oder Rinder in der gewünschten Anzahl pro Woche zu liefern. Die Kombination aus Schweineschlachtbetrieb in Quitzow und dem Rinderschlachthof in Perleberg sei in Brandenburg einmalig. Das eröffne Chancen.

Hier produziert, hier geschlachtet, hier verarbeitet. Diese regionale Kette könnte schon im nächsten Jahr Besucher der Grünen Woche am Prignitzstand erleben und auch verkosten. „Koch und Landwirt können gemeinsam auf der Messe stehen“, so Stettin.

Bis dahin wolle der Verband zusammen mit dem Regionalen Wachstumskern und weiteren Partnern an diesem Ziel arbeiten. Erste Absprachen seien dazu auf der Messe in Berlin getroffen worden. „Wir hatten eine Busfahrt zur Grünen Woche organisiert, unser Verband war auch mit einem Stand vertreten“, sagt die Geschäftsführerin.

Wichtiger als die Messe sei für die Landwirte jedoch die Veranstaltung „Wir machen Euch satt!“ am 16. Januar in Berlin gewesen. Sie war die Reaktion auf die Demo „Wir haben es satt!“, „wo von Veganern, PETA, Tierschützern, TTIP-Gegnern, Eigenversorgern, Öko-Fanatikern und sonstigen Gruppierungen eine Agrarwende gefordert wurde“, sagt Lothar Pawlowski.

Man sei bereit zu einem Meinungsaustausch und auch die Prignitzer Betriebe würden ihre Türen für Interessierte öffnen. Wer sich ein Bild von der Tierhaltung machen möchte, könne sich jederzeit an den Bauernverband wenden, versichert Christina Stettin.